Prinz-Alfred-Hirsch! Borkenkletterer! Panda-Langur! Visayas-Mähnenschwein!
Orangehaubenkakadu! . . .
Bedrohte Arten ohne Lobby?
Die ZOOLOGISCHE GESELLSCHAFT FÜR ARTEN- UND POPULATIONSSCHUTZ e.V. wurde
1982 von einer kleinen Gruppe engagierter Naturschützer in München
gegründet und kurz darauf vom Finanzamt München als besonders
förderungswürdig anerkannt.
Ziel der Gesellschaft ist in erster Linie die Erhaltung wenig bekannter,
bedrohter Arten und der Schutz ihrer Lebensräume. Während die
Ausrottungsgefahr von Berggorillas, Großen Pandas oder
Java-Nashörnern bereits weiten Kreisen der naturinteressierten
Bevölkerung bekannt ist, gibt es noch Tausende hochbedrohte Arten, deren
Namen selbst Fachleuten häufig kaum geläufig sind. Mangels Kenntnis
starben in den letzten Jahren schon einige - auch große - Arten unbeachtet
von der Öffentlichkeit aus.
Kaum jemand hatte jemals vom philippinischen
Prinz-Alfred-Hirsch (Cervus alfredi) gehört, als sich die ZOOLOGISCHE
GESELLSCHAFT FÜR ARTEN- UND POPULATIONSSCHUTZ e.V. 1984 für diese
Tierart zu interessieren begann. In einer "Roten Liste" bedrohter Arten war
sie damals auch nicht geführt, obwohl sie - wie Nachforschungen bald
ergaben - am Rande der Ausrottung stand. Die Hirschart war, wie so viele
andere Arten, einfach in "Vergessenheit" geraten.
Seither haben Mitarbeiter der ZGAP zusammen mit anderen Fachleuten intensiv
an einem Rettungsprogramm für den Prinz-Alfred-Hirsch gearbeitet. Neben
eigenen Finanzmitteln konnte auch die Unterstützung des Zoo Mulhouse
in Frankreich und anderer Zoos aus Europa, Australien und den USA erworben
werden. Jetzt gibt es Pläne für einen neuen Nationalpark auf der
Insel Panay. Auf den Philippinen werden Naturschutzposter mit Bildern des
Prinz-Alfred-Hirsches und erklärendem Text verteilt. In enger Zusammenarbeit
mit der philippinischen Regierung entstand 1990 ein Erhaltungszuchtprojekt
für diese Hirschart. Zunächst im Zoo Mulhouse und inzwischen an
drei Standorten auf den Philippinen wurden Zuchtgruppen aufgebaut. 1991 wurden
erste Kitze geboren. Der derzeitige Zuchtbestand ist auf über 110 Tiere
angewachsen.
Die ZOOLOGISCHE GESELLSCHAFT FÜR
ARTEN- UND POPULATIONSSCHUTZ e.V. dehnte seither ihre Aktivitäten auf
den Philippinen erheblich aus. So half sie bei der Initiierung eines Projektes
zur Erforschung der bedrohten, bis katzengroßen Borkenkletterer
(Phloeomys spp., Crateromys spp.). Sie gehören zu den
größten und attraktivsten Nagern der Welt. Die Schutzmaßnahmen
für Hirsche und Borkenkletterer sowie neue Aktivitäten für
Flughunde (Pteropus spp. u. a.), das Visayas-Mähnenschwein (Sus
cebifrons), den Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia),
Nashornvogelarten (Penelopides spp., Aceros spp.), Dolchstichtauben
(Gallicolumba spp.), Philippinen-Uhus (Bubo philippensis) und
Segelechsen (Hydrosaurus spec.) werden langfristig
fortgeführt.
Einheimische Biologen und Biologiestudenten einzubinden und sie auf die
eigenverantwortliche Führung der Projekte vorzubereiten, gehört
zu den Grundprinzipien der Gesellschaft. Über die kostengünstige
Verwirklichung von Artenschutzvorhaben hinaus, wird damit auch motivierten
jungen Leuten die Möglichkeit gegeben, konkret zum Artenschutz in ihrem
Heimatland beizutragen. Auf diese Weise werden auch in Zukunft fachkundige
Mitstreiter am Ort des Geschehens die nachhaltige Projektführung
garantieren.
Aktivitäten, wie sie für die
Philippinen beschrieben wurden, betreibt und fördert die ZGAP auch in
anderen Ländern. So in Vietnam, wo die Gesellschaft in enger Zusammenarbeit
mit der Weltnaturschutzunion (IUCN), als erste Naturschutzorganisation
überhaupt, eine Suche nach bedrohten Primaten durchführte und
mitfinanzierte.
H. Jörg Adler, Direktor des Allwetterzoo Münster und ehemaliger 2. Vorsitzender
der ZGAP, spürte dabei den hochbedrohten Delacour- oder Panda-Langur
(Trachypithecus delacouri) und den wenig bekannten Fleckenroller
(Chrotogale owstoni) auf. Zwischenzeitlich wurde eine Zucht- und
Auffangstation (EPRC) für aus illegaler Haltung konfiszierte Primaten
im Cuc Phuong Nationalpark aufgebaut. Hier arbeiten auch europäische
Tierpfleger/-innen unter oft schwierigen Bedingungen in der Ausbildung und
Unterweisung vietnamesischer Mitarbeiter zur Pflege der wertvollen Tiere.
Damit gelangen weltweit erstmals Nachzuchten bei Panda-Langur und dem schon
ausgerottet geglaubten Hatinh-Langur (Trachypithecus francoisi
hatinhensis). Mehr als 120 Primaten werden derzeit im EPRC gehalten.
Projekte zunächst kleineren Umfangs zur Rettung des Tonkin-Goldaffen
(Rhinopithecus avunvulus) im Na Hang-Schutzgebiet und für den
Goldkopf- oder Cat Ba-Langur (Trachypithecus poliocephalus)
wurden 1998 bzw. 2000 begonnen und werden ebenfalls langfristig
durchgeführt. Seit 1998 unterhält die Gesellschaft ein Projekt
zur Erhaltung des Buschmannhasen (Bunolagus monticularis), der
bedrohtesten Tierart Südafrikas. Vorhaben zum Schutz des Pemba-Flughundes
(Pteropus voeltzkowi) auf der tansanischen Insel Pemba sowie der wohl
bedrohtesten Vertreter ihrer Gattung, der Sichuan-Buschwachtel (Arborophila
rufipectus) in China und des Äthiopischen Wolfes (Canis
simensis) in Äthiopien, werden mitfinanziert und betreut.
Die Initiative der ZGAP, selbst in politisch instabilen Regionen am Horn
von Afrika den Bestand bedrohter Huftiere zu erfassen und damit Basisdaten
für künftige Schutzkonzepte zu schaffen, fand international hohe
Anerkennung. Beobachtungen zum Dibatag (Ammodorcas clarkei), einer
endemischen Antilopenart im Ogaden SO-Äthiopiens und zur Beira-Antilope
(Dorcatragus megalotis) in Djibuti wurden in verschiedenen Surveys
seit 1997 gesammelt. Maßnahmen zum Schutz der letzten ca. 200 Somali-
oder Swaynes-Kuhantilopen (Alcelaphus buselaphus swaynei) in einem
nur wenige Quadratkilometer großen Rückzugsgebiet in
Zentral-Äthiopien sind in Bearbeitung. In Kooperation mit dem Allwetterzoo
Münster schuf die ZGAP das "Internationale Zentrum für
Schildkrötenschutz" - eine weltweit einmalige Station zur Erhaltungszucht
kritisch bedrohter asiatischer Schildkrötenarten.
Der aus der Projektgruppe "Papageienschutz" der ZOOLOGISCHE GESELLSCHAFT
FÜR ARTEN- UND POPULATIONSSCHUTZ e.V. gegründete
FONDS FÜR
BEDROHTE PAPAGEIEN unterstützt Schutzmaßnahmen für
Arten wie den Orangehaubenkakadu (Cacatua s. citrinocristata), die
Rotschwanz-Amazone (Amazona brasiliensis), den Gelbohrsittich
(Ognorhynchus icterotis), den Diademlori (Eos histrio) u.a.
Dies ist nur eine kleine Auswahl von
Projekten, mit denen die ZGAP befasst ist. Die Betreuung und Überwachung
dieser Aktivitäten erfolgt nach wie vor ausschließlich ehrenamtlich,
ebenso wie die halbjährliche Herausgabe unseres Magazins
"ZGAP-Mitteilungen".
Der Vorsitzende der Gesellschaft, Roland Wirth, sowie weitere Mitglieder
unserer Gesellschaft sind in verschiedene Spezialistengruppen der
Artenschutzkommission der IUCN gewählt. So ist eine gute Koordination
von Artenschutzprojekten der ZGAP mit denen anderer Naturschutzorganisationen
und ein effektiver Einsatz der finanziellen Mittel gewährleistet.
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